„Wenn Liebe zum Wahn wird ... Stalking"                                                                                                                                                            19.08.2006

 

Bericht eines(r) Betroffenen:

 

Ich meine Stalking in Form von Telefonanrufen, E-Mails und persönlichen, nein eher erzwungenen „Besuchen“ erlebt zu haben.

 

Durch meine Krankheit habe ich sie kennen gelernt. Erst  nur per E-Mail in verschiedenen Mailinglisten. Später haben wir uns auch privat geschrieben. Als ich nach meiner schweren Krankheit einen Selbsthilfeverein aufbaute, gab sie zugunsten dieses Vereins ein Benefizkonzert. Bei dieser Gelegenheit verliebte sie sich in mich, nachdem wir etwa 2 Jahre einen normalen E-Mail Kontakt über Mailinglisten hatten. Nach einiger Zeit entschloss sie sich, in die Nähe meines Heimatortes zu ziehen. Sie wollte uns in dem Verein helfen. In vielen Gesprächen versuchte ich sie davon abzuhalten. Man zieht nicht einfach um. Ich wollte nicht, dass sie meinetwegen hier her zieht. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass es gut sein könnte, dass ich irgendwann sicher aus dieser Gegend hier wegziehen würde. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass sie ihr Leben nicht nach Meinem ausrichten könne. In ihrer Heimat sei sie sozial abgesichert. Sie ist Rentnerin und brauch die Unterstützung ihrer Freunde um „überleben“ zu können. Hier ein Essen, dort 20 Euro für ein T-Shirt, mal einen Zuschuss zu ihrer Wohnung oder ein paar Euro Zuschuss, damit sie ihr Auto finanzieren konnte. Hier sei sie allein.

Leider war sie nicht davon abzubringen. Sie zog in meine Nähe. Da sie allein hierher zog, hab ich selbstverständlich beim Umzug geholfen. Auch anschließend hab ich sie hi und da zum Essen eingeladen. Sie deutete es dahin, dass ich ihre beste Freundin sei. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich Freundinnen habe. Unser zusammen sein, unser kennen lernen sei aber nur daraus entstanden, weil sie die gleiche Krankheit hat wie ich. Das sie halt eine Bekannte sei. Ich bekam tägliche Anrufe. Unangemeldete Besuche. Sie sagte Arzttermine ab, die sie in der Nähe meines Wohnortes abgesprochen hatte, wenn ich an dem Tag nicht zu Hause war. Andere CF´ler überredete sie ihre Physio - Termine abzusagen, wenn ich gerade mal auf Besuch war. Viele E-Mails, viele Anrufe. Sehr viele Gespräche folgten. Über die Tätigkeiten in dem Verein, über privates. Darüber, wie sie ihr Leben ordnen könnte. Gespräche über Essen, Therapie, ihre Arzttermine, die sie nicht machte und darüber, wie sie sich evtl. etwas Geld verdienen könnte, um besser über die Runden zu kommen. Gespräche, wie und was sie machen könnte, sich einen eigenen Freundeskreis aufzubauen. Immer wieder, oft stundenlang, wochenlang bei jedem Treffen, die gleichen Themen. Ich wollte schließlich nicht immer ihr Mittelpunkt sein. Sie musste für sich einen Weg finden. Ich wollte auch mal wieder 4 Wochen nichts von ihr hören oder sehen dürfen. Doch ich war ihr großes Idol. Sie war in mich verliebt.

Sie half im Verein. Vereinbarte Termin für Mithelfende. Sie half dabei Wohnungen an einem der Kliniken einzurichten und zu reinigen. Irgendwann hörte ich von ihr, wir würden sie nur ausnutzen – auch andere hätten ihr das schon gesagt. Ich bat sie wieder einmal sich dann bitte um sich zu kümmern, sie brauche uns nicht zu helfen. Wir wollen niemanden ausnutzen. Sie musste doch endlich jetzt nach 4 Monaten in dem neuen Wohnort einmal zum Arzt, zur Physio und zur Ambulanz. Regelmäßig Essen. Nein nichts, 2 Tage später bettelte sie darum wieder die Telefonanrufe tätigen zu können. Ich musste ins Krankenhaus und verbat mir jegliche Anrufe und Besuche. Sie widersetzte sich, rief trotzdem an und stand einfach in meinem Krankenzimmer. Hab ich keine Rechte?

Es eskalierte, als ein Patient von sehr weit weg mit dem Zug anreiste um seinen Termin in der Klinik wahr zu nehmen. Wir wussten vom Verein nicht in welchem gesundheitlichen Zustand er hier her kommen würde. War er groß und kräftig? Beweglich oder schon sehr immobil? Einzig, dass er sauerstoffpflichtig war, wussten wir. Sie schrieb ihn  an, dass sie ihn vom Bahnhof holen und zur Klinik bringen würde mit ihrem Auto. Sie fügte hinzu, dass sie mich fragen würde, ob mir das auch recht sei. Ich war super sauer. Wie konnte sie so etwas anbieten, ohne es mit mir vorher abzusprechen? Ihr Auto war ein kleiner Sportwagen, sehr ungepflegt und verraucht. Sollte ich ihm sagen „nein, nein, sie wird Sie nicht holen, aus den und den Gründen.“ Nein bloßstellen, wollte ich sie nicht. Also holten wir ihn zusammen mit meinem Auto ab. Des Weiteren musste sie irgendwann wegen ihrer Erkrankung notfallmäßig in die Klinik. Sie bekam Antibiotika wegen ihrer Entzündungen in der Lunge. Vorgestellt hat sie sich dann dem Stationsarzt mit Zigaretten auf dem Nachttisch und das sie eine Helferin in unserem Verein sei. Es gab mehrere solcher und ähnlicher Vorfälle. Mir schwoll der Kamm.

 

Nach monatelangen Diskussionen und Gesprächen bat ich sie darum erst einmal ihr Leben in Ordnung zu bringen, ehe sie anderen helfen wollte und sie sich weiter in unserem Verein und immer wieder in mein Privatleben einbrachte. Viele E-Mails und Telefonate folgten. Alles Gesprochene endete gegen eine Wand. Im Frühjahr 2005 hab ich die letzte E-Mail beantwortet, in dem ich ihr mitteilte, dass sie uns nicht mehr zu helfen habe, sich nicht mehr in der öffentlich mit dem Verein in Verbindung bringen dürfe. Außerdem sich nicht bei mir zu melden habe und sich bitte nur noch um sich kümmern soll. Es half nicht, sie stand unangemeldet vor der Tür, Telefonanrufe wurden immer mehr zur Belästigung, E-Mails nahmen in der Menge und vom Inhalt her kein Ende. Irgendwann hab ich offiziell so eine Art Kündigung geschrieben, unter anderem mit dem Inhalt, dass ich mindestens 6 Monate nichts von ihr hören oder lesen wollte, geschweige denn sie sehen wollte. Es musste doch mein Recht sein dürfen, dass ich wieder Ruhe in mein Leben bekam. Es wurde noch schlimmer. Sie schaffte es einmal in wenigen Stunden bis zu 60 Mal anzurufen - der Anrufbeantworter zählt mit. Sie kam unangemeldet hier her zu mir nach Hause, wenn sie wusste, dass mein Lebensgefährte nicht vor Ort war. Ich blieb das erste Mal stur, und ließ sie nicht rein. Sie wollte sich mit Gewalt zutritt verschaffen – es klappte nicht. Ich machte alle Fenster und Türen zu, schloss die Vorhänge – mitten am Tag – und stellte das Fernsehgerät mit sehr hoher Lautstärke an. Es dauerte sicher 30 Minuten, bis ich nichts mehr von ihr hörte. Es folgten Anrufe und Massen an E-Mails. Ich antwortete und reagierte nicht mehr. Irgendwann muss sie doch aufhören. Hatte ich nicht das Recht in Ruhe gelassen zu werden? Man machte mich darauf aufmerksam, dass sie mir ein Liebeslied auf ihrer Webseite gewidmet hat. Sie stand mit ihren Freunden vor meiner Tür, wartete auf mich, ging in meine Stammkneipe, erkundigte sich dort nach mir. Es folgten E-Mails mit Selbstmordandrohungen.

Ich ging das erste Mal zum Rechtanwalt. Solche Leute hören irgendwann auf, wenn man nicht reagiert, bekam ich zu hören. Ich zog es also weiter durch und reagierte nicht. Es kamen Anrufe von ihren Freunden, von Bekannten, die selbst sehr krank waren und kurz vor einer sehr schweren OP standen. Sie versuchte über jeden meiner und auch gemeinsamer Bekannten, wenn sie denn die E-Mailadresse fand, an mich heran zu kommen. Aus Mitleid solidarisierten sich einige ihrer Bekannten mit ihr, auch weil sie sie schon so lange per E-Mail kannten oder weil sie einfach Mitleid hatten. Ich reagierte nicht. Wieder einmal nachts 1 Uhr Anrufe von ihren Freunden, sie wolle sich umbringen. Er konnte sie nur davon abhalten, weil er versprochen habe, sich sofort auf den Weg (ca. 800 km) zu machen um nach ihr zu sehen. Ich solle was machen. Anruf von ihrer Schwester, sie wolle jetzt ernst machen, habe Tabletten und Alkohol zu Hause. Ich müsste was unternehmen. Sie hatte früher schon 2x versucht sich das Leben zu nehmen. Ich rief die Polizei und schickte sie zu ihr in die Wohnung. Wenig später bekam ich die Nachricht von der Polizei: bei ihr sei alles in Ordnung, aber bei mir sei ja einiges im unreinen. Ich hätte ja Probleme mit meinem Lebensgefährten. So ein Schwachsinn. Was sollte ich noch machen? In einem der nächsten Telefonanrufe am nächsten Tag redete ich doch noch einmal mit ihr. Ich stellte ihr dar, wie wertvoll ihr Leben sei, wie lebenswert. Wenn sie ihrem Leben allerdings ein Ende bereiten wolle, könnte ich nichts dagegen tun. Später unterstellte sie mir, ich habe ihr den Tod gewünscht. Es war egal was ich sagte, sie hörte nicht, was sie hören wollte, also hörte sie auch nicht hin, nahm sich nichts an. Es folgten wieder penetrante Anrufe, E-Mails. E-Mails in denen ich verunglimpft wurde an ihre Freunde, gemeinsame Bekannte aus Mailinglisten und an ihr völlig fremden Personen aus Gästebucheinträgen von meiner privaten Webseite. Es folgte ein Bescheid, in dem sie im außergerichtlich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sie dies für die Zukunft zu unterlassen hat und außergerichtlich 200 Euro zahlen muss oder in Haft genommen wird. Es half nichts. Gemeinsame Bekannte wurden weiter von ihr per Telefon und per E-Mail aufgefordert einen Kontakt zwischen uns her zu stellen. Sie wurden aufgefordert mich aus zu horchen. Ich zog mich aus dem Kreis der gemeinsamen Bekannten zurück. So wussten sie halt irgendwann nichts mehr von mir und konnten nichts weitergeben. Ich wollte wenigstens sie schützen. Sie waren krank, brauchten ihre Kraft für sich. Es änderte sich nichts. Irgendwann entstand in ihr ein Hass gegen meinen Freund. Sie hatte die Gesellschaft von Anderen und hatte somit einen Kreis „ .…….. Geschädigter“, wie sie sich in Zukunft nannten. Ich wurde verunglimpft, er und unser Verein, oder das was wir dort taten.

Nach handgreiflichen Verfolgungen von ihr auf einer Tagung, die von Bekannten gesehen und gehört wurden, stellte ich einen Antrag auf Unterlassung.  Ich hatte Angst. Sie durfte nach dem Urteil nicht mehr mit mir Kontakt aufnehmen und nicht mehr mit andern über mich oder mit mir in Kontakt treten. Vor Anrufen und E-Mails hatte ich eine Zeit lang Ruhe. Andere leider nicht. Inzwischen weiß ich, dass sie immer gewusst hat was ich mach. Sie hat mich ständig beobachtet. Irgendwann wieder Briefe. Für mich reichte es nun endgültig. Mit den Briefen ging ich zum Anwalt. Später kam auch ein Postpaket - mit falschem Absender. Sie wusste, dass ich das Packet sonst auch nicht angenommen hätte. Es war ein Brief und eine versilberte Rose in dem Packet. Ich erkannte sofort von wem das Packet kam. Ich hab am ganzen Körper gezittert.

 

Was ist, wenn einmal etwas mit falschem Absender kommt, und es ist etwas enthalten, was jemanden verletzt? Ich habe ANGST.....

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In dieser Zusammenfassung fehlt völlig, dass ich in dieser Zeit, bis Mai 2006, mit einem Partner zusammen war. Da ich immer noch nicht weiß, warum er mit mir zusammen war und nicht genau weiß, welche Rolle er dabei gespielt hat, habe ich verzichtet ihn hier im Detail zu erwähnen.

 

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Mir stellen sich viele Fragen:  Was bewegt Stalker?  Wer ist beteiligt?  Was kann man tun? Kann man sich schützen?  Wer hilft dem Opfer, und wer hilft dem Stalker?   Kann es nicht doch gefährlich werden?

(Wo) bekommt man Hilfe, bevor etwas passiert?

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Stalker können in verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Auf eine Gruppe möchte ich hier hinweisen:


The intimacy Stalker (der intimitätssuchend Stalker)
Diese Gruppe von Stalkern hat den Wunsch eine Beziehung zu einer Person aufzubauen, die ihre Aufmerksamkeit erregt hat, oder von der sie glauben, sie sei ihnen bereits zugetan (liebe sie schon). Die angestrebte Beziehung muss nicht unbedingt sexueller Natur sein, es sind auch Eltern-Kind-gleiche oder Geschwister-gleiche Freundschaften möglich. Das Opfer wird stark idealisiert. Klare, vom Opfer ausgesprochene Zurückweisungen werden vollständig ignoriert und in ihrer Negation umgedreht und umgedeutet. Die Dauer der Verfolgung erstreckt sich häufig über einen sehr langen Zeitraum (Prominenten-Stalker). Oftmals sind hier Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen zu finden, die einsam und zurückgezogen leben.

 

Weitere Informationen:

http://www.liebeswahn.de

 

 

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