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Schwerbehindertenausweis
Ich bin umgezogen. Seit drei Wochen wohne ich in der neuen Wohnung,
schnuckelig eingerichtet und unter dem Dach. Hier habe ich einen wunderbaren
Blick auf die gesamte Innenstadt von Hildesheim. Jetzt könnte alles so schön
sein, wenn ich doch endlich zu einem geregelten Tageablauf kommen würde!
Aber morgen, dann wird's anders. Ich habe einen Termin auf dem Arbeitsamt.
Stellen in der Gastronomie gibt es "on Maß" wie man mir mehrmals betonte.
Mein Weg führt mich am nächsten morgen zuerst an den Computer um in die
Stellenangebote hereinzuschauen und tatsächlich.... mein Herz gluckst.
Ich muss mich zuerst in der Aufnahme melden. Hier werden alle Daten von mir
gespeichert. Die jung Frau scheint sehr nett, aber sie hat wohl irgendwas
mit den Beinen. Sie steht nicht einmal auf wenn sie etwas braucht, sondern
rollt mit ihrem super klasse Chefsessel von einem Ende des Zimmers zum
Anderen. Gut das es so moderne Büromöbel gibt. Daten werde aufgenommen, Geburtsdatum, Ausbildung, anschließend gearbeitet
bei.... , "...meine Schwerbehindertenausweis habe ich gerade nicht dabei, er
muss verlängert werden." "Wie, Schwerbehindertenausweis?? Sie sind 50% Schwerbehindert? machen Sie das rückgängig! Mit dem Ausweis sind Sie schwer
vermittelbar". "Wie rückgängig machen???", frage ich ziemlich entsetzt und
ungläubig. "Ich kann das nicht rückgängig machen, dann müßte ich mich schon
in Luft auflösen, denn die Erkrankung, die ich habe, ist angeboren, gehört zu
mir und meinem Leben wie meine linke Hand, die ich zum Schreiben brauche. Da
geht nichts rückgängig zu machen!" Ideen hat diese Frau. "Das ist ihre
Sache," sagt die Dame jetzt merklich kühler. "aber so finden wir hier nie etwas
für sie!" Ja wo bin ich denn nun hier gelandet?!
"Sie haben aber nun einen großen Vorteil gegenüber den anderen
Arbeitslosen", und ich freu mich schon, das nun doch alles gut wird, als sie nun doch schwups aufsteht, mich begleitet und
mir mitteilt: "Sie brauen nicht zu warten, Sie können hier bei ihrem Arbeitsvermittler klopfen, und werden gleich drangenommen."
[Hildesheim im Sommer 1985]
Bemerkung:
Danach habe ich für mich beschlossen, das ich zum Arbeitsamt gehe, wenn ich
Geld möchte, wenn ich Arbeit brauche oder jetzt auch, wenn ich jobben
möchte, dann gehe ich direkt zu den Arbeitgebern.....
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