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"Indikationen zur Lungentransplantation" |
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Dr.
med. Jost Niedermeyer Oberarzt
Abteilung Pneumologie, Medizinische Hochschule Hannover Die
Lungentransplantation (LTx) hat sich in den vergangenen 15 Jahren von
einem experimentellen Verfahren zu einer therapeutischen Alternative für
Patienten mit fortgeschrittenem Lungen- oder Herz-Lungen-Versagen
entwickelt. Durch die Weiterentwicklung chirurgischer und
intensivmedizinischer Techniken konnte die Operationssterblichkeit
erfolgreich reduziert werden. Das mittel- und langfristige Überleben
nach einer Transplantation ist vorwiegend durch Infektionen und
chronisches Transplantatversagen gefährdet. Für Patienten mit
cystischer Fibrose oder idiopathischer Lungenfibrose läßt sich
mittlerweile durch die LTx eine signifikante Verbesserung der 1- und
2-Jahres-Überlebensrate erreichen. Bei anderen Erkrankungen steht ein
solcher Beleg noch aus, immerhin lässt sich fast immer eine erhebliche
Verbesserung der Lebensqualität nachweisen. Das
1997 verabschiedete Transplantationsgesetz sieht vor, dass eine
einheitliche deutsche Warteliste entsteht und dass diese Warteliste nach
Gesichtspunkten der Notwendigkeit, der Dringlichkeit und den
Erfolgsaussichten zusammengestellt wird. Die häufig schwierig einzuschätzende
Prognose der Grunderkrankung und die teilweise lange Wartezeit auf ein
geeignetes Spenderorgan machen es im Einzelfall schwierig, den richtigen
Zeitpunkt für die Aufnahme auf die Warteliste festzulegen. Grundsätzlich
ist immer eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen
Transplantationszentrum zur Festlegung des individuellen Procedere
sinnvoll. Als Notfallmaßnahme kommt die Lungentransplantation bei
Patienten, die zuvor nicht auf einer Warteliste gemeldet, waren nur in
sehr seltenen Ausnahmefällen in Frage. 1.
Transplantationsverfahren und Indikationen
Drei
unterschiedliche Operationstechniken stehen zur Verfügung: a)
Bei der einseitigen Lungentransplantation (SLTx = single lung
transplantation) wird nur ein Lungenflügel transplantiert, der zweite
Lungenflügel des Empfängers wird belassen. Die SLTx ist das
Therapieverfahren der ersten Wahl bei Patienten mit einer Lungenfibrose b)
Bei der bilateralen oder doppelseitigen Lungentransplantation (BLTx)
werden beide Spenderlungenflügel übertragen. Eine BLTx ist in jedem Fall
notwendig, wenn ein verbleibender Lungenflügel des Empfängers eine
Infektquelle darstellen würde (Beispiel: cystische Fibrose,
Bronchiektasen). c)
Bei der Herz-Lungen-Transplantation (HLTx) werden Herz und beide Lungen
des Spenders en bloc übertragen. Dieses Verfahren kommt zum Einsatz, wenn
neben der Lungenerkrankung zusätzlich angeborene oder erworbene
Herzerkrankungen bestehen, die operativ nicht korrigiert werden können. Für
die Auswahl des richtigen Verfahrens und die Wahl des Zeitpunktes zur
Aufnahme auf die Warteliste sind verschiedene allgemeine Gesichtspunkte
wichtig: -
Ausschöpfung bzw. Diskussion
aller Behandlungsalternativen einschließlich neuer Verfah- -
Die Dynamik des bisherigen Krankheitsverlaufs. -
Die Lebensqualität und subjektive Beeinträchtigung des Patienten. Für
einzelne Lungenerkrankungen (Fibrose, Emphysem, cystische Fibrose,
pulmonale Hypertonie) gibt es mittlerweile Erfahrungswerte, die eine
Orientierungshilfe bieten bei der Entscheidung, wann die Aufnahme auf die
Warteliste sinnvoll ist. 2.
Kontraindikationen (Gründe, die gegen eine Operation sprechen)
Die LTx ist ein komplexes Therapieverfahren, das mit einer nennenswerten Komplikationsrate und einer lebenslangen nebenwirkungsreichen Nachbehandlung verbunden ist. Deshalb ist es wichtig, dass Patienten, für die eine Lungentransplantation ein zu großes Risiko darstellt, bereits im Vorfeld identifiziert werden, bevor aufwendige Untersuchungsverfahren den meist schwerkranken Patienten unnötig belastet haben. Absolute Kontraindikationen für eine Lungentransplantation sind beispielsweise nicht beherrschbare Infektionen und ein sehr schlechter Allgemeinzustand (längere Bettlägerigkeit). Nach gegenwärtigem Erfahrungsstand gilt auch, dass ältere Patienten eine schlechtere Überlebensrate als haben jüngere. Es sei jedoch betont, dass das numerische Alter eines Patienten allein nicht über seine Transplantationseignung entscheidet. Wichtiger ist, dass ein sehr schlechter Allgemeinzustand und schwerwiegende Beeinträchtigungen anderer Organfunktionen als Kontraindikationen für eine Transplantation betrachtet werden müssen. Besondere Anforderungen werden auch an die Mitarbeit und die psychische Belastbarkeit des Patienten und seiner Angehörigen gestellt. Letztendlich wird in den meisten Fällen erst der persönliche Kontakt zwischen Patient und Transplantationszentrum klären können, für wen die Lungentransplantation ein sinnvolles Behandlungsverfahren mit kalkulierbarem Risiko darstellt und wann der richtige Zeitpunkt ist, sich auf der Warteliste anzumelden.
Dr. med. Jost Niedermeyer |