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"Endlich!" stöhnte Susanne, "endlich Feierabend!" Sie packte ihr Sachen in die Tasche, zog ihren Mantel an und verließ das Büro. "Nichts wie weg von diesem lausigen Job. Ich hasse ihn." schimpfte sie laut. "Aber viel mehr hasse ich Ingo!" Damit meinte sie ihren Freund, der arbeitslos Tag für Tag zu Hause auf dem Sofa herumlungerte, ihre Vorräte aufaß und dann noch schlechte Laune verbreitete, wenn sie die Haustür aufschloss. Heute hatte sie Geburtstag, heute wollte sie so etwas nicht, auf keinen Fall!! Sie stürmte die breite Marmortreppe hinab und mit wehenden Haaren am Pförtner vorbei. Seinen Gruß " ...schönen Feierabend!" hörte sie nicht mehr, nur raus hier. 

Susanne rief ihre beste Freundin an, machte einen Termin nach Feierabend aus und traf sich mit ihr im kleinen Strandcafe.
"Was ist mit Ingo?" war die erste Frage von Babs.
"Ingo? Der sitzt wahrscheinlich wieder vor der Glotze, sein Bier in Griffnähe und denkt mich Sicherheit nicht an meinen Geburtstag." Ja, da bin ich mir ganz sicher. Heute morgen ein muffliges "na, auch schon auf?" Kein Blumenstrauß, keine Umarmung - einfach nichts. Innerlich hoffte Susanne den ganzen Tag im Büro auf einen lieben Anruf. Aber vergeblich. Schnell wurde das Thema gewechselt, Babs und Susanne hatten immer Gesprächsstoff und so verflog die Zeit im Nu. Erschrocken schauten beide auf die Uhr. Es war ein angenehmer Abend für Susanne geworden. Nun mußte sie aber wieder an Ingo und das Chaos zuhause denken und verabschiedete sich ungern von ihrer Freundin. Susanne stieg langsam die Treppen zu ihrer kleinen Wohnung hoch, blieb einen Moment still vor der Tür stehen, schloss auf und ging widerstrebend in den Wohnbereich.
Was war das? Leise Musik, es duftete nach Kerzen, ein schwacher Duft von gebratenem Fleisch?
Alles war aufgeräumt, der Tisch gedeckt und Ingo saß - trotz der späten Stunde - erwartungsvoll auf der Couch, sah mich, stand auf und überreichte mir einen wunderschönen Blumenstrauß. Keine Frage, woher ich so spät komme. Einfach eine Umarmung, als würde er mich just in diesem Moment erwarten. Ich mußte mich erst mal setzen. Ingo verschwand in der Küche und jonglierte kurze Zeit später ein fürstliches Mahl auf einem Tablett ins Wohnzimmer. Ich konnte es nicht glauben. Mitten auf dem gedeckten Tisch lehnte ein Brief für mich an einer geöffneten Weinflasche. "Lies, bitte, mein Schatz - er ist wichtig, es ist mein Geschenk an dich." Ich las.
Ingo hatte Arbeit gefunden, er versprach mir, sich in Zukunft mehr um uns zu kümmern, sich aufzuraffen auch im Haushalt zu helfen, sich einfach grundlegend zu ändern, damit unsere Beziehung nicht in die Brüche ging.
Ich liebe Ingo - trotz seiner Schwächen, trotz meiner Wut auf ihn, die sich in der letzten Zeit angesammelt hat.
Ich nahm oder nahm er? ihn/mich in den Arm, wir tanzten nach der Melodie des Herzens und es war mein schönster Geburtstag, an den ich mich noch erinnern kann.

 

 Verfasser Hilde W.                                                        zurück