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Manches kommt anders als man denkt.
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„Claudia,
bitte schau doch auf dem Weg zur Arbeit mal im Kaufhof vorbei, ob dort
nicht zufällig das Geschirr zu finden ist.
Du weißt schon das alte 8
eckige mit dem grauen Rand.“ „Ach
nein Mama, es wird mir doch wieder zu spät wenn ich anschließend ins
Fitnessstudio gehen will!“ „Ich bitte dich, du wirst doch wohl
einmal etwas für mich erledigen können... seit Jahren renne....“
Claudia hört dies gar nicht mehr, ist schon hinter der Tür
verschwunden. Sie kennt diese Vorhaltungen schon zur genüge und will
sich dies heute, gerade heute wo es so wichtig ist pünktlich zu sein,
nicht antun. Sie flitzt zur Haltestelle und kann gerade noch die Straßenbahn
bekommen, die fast gegenüber der Firma hält, in der sie seit einem
halben Jahr arbeitet. Den Trubel um sie herum vergisst sie sofort, als
sie sich noch mal zur Sicherheit in ihre Unterlagen vertieft. Jeden
einzelnen Posten geht sie in Gedanken noch mal durch und ist als sie
aussteigt sicher, dass nun heute nichts mehr schief gehen kann bei ihrer
ersten, richtig Präsentation. Wichtige Leute aus der Geschäftsleitung
sind mit dabei und sie verspricht sich einen großen Auftrag und vor
allen Dingen erhofft sie hierdurch auf der Erfolgsleiter ein paar
Stiegen höher zu kommen. Man hatte ihr sogar in Aussicht gestellt eine
Filialleitung in Frankreich zu übernehmen Händeschütteln
und miteinander bekannt machen sind bei solchen Anlässen die Ordnung.
Die Technik steht und sie hofft das ohne Probleme ihre vorbereiteten
Unterlagen vom Rechner auf die Leinwand projizieren werden können. Als
alle Platz genommen haben steigt ihr Puls und ihr Blutdruck ins
unermessliche... Leise zählt sie bis 17 sucht sich eine Stuhllehne als
festen Anschauungspunkt und beginnt in preziösen Sätzen mit fester
Stimme ihren Vortrag. Die Technik läuft einwandfrei und ihrem Vortrag
gibt sie die nötigen Intension, Höhen und Tiefen, damit es bis zu
letzt interessant bleibt. Ihre Sicherheit und Kompetenz geben ihr Kraft.
Als sie in ihren letzten Sätzen eine Art Zusammenfassung bringt, geht
die Tür auf und Alfons kommt herein. Sie blickt noch einmal zur Tür
und in der Tat ihr charmanter, etwas smarte Alfons ist es und er nimmt
in der ersten Reihe platz. Blitzartig ist sie außer Stande auch nur
noch ein Wort über die Lippen zu bringen. Ihre Gedanken sausen
durcheinander. Was macht er hier?? Was hat er mit der High Tech Kompanie
zu tun?? Wie lange ist es her?? Ist er nicht ins Ausland gegangen, weil
er die Chance nutzen wollte?? Nannte ihn nicht ihre Freundin ein
Workaholic, der keine Zeit für Liebe, Freunde und Familie hätte??
Momente des Schweigens, ein Raunen geht durch die Zuhörer. Von weitem
her hört man Sirenen, ein Martinshorn. Es ist keine Kommunikation möglich,
als die Fahrzeuge unter dem Fenster vorbei rasen. Der Himmel hat ihr
eine kleine Pause geschenkt. Nun möglichst volle Konzentration, der
Blick wieder zur Stuhllehne und sie kann ihre Sätze zu Ende bringen.
Die anschließende Diskussionsrunde zeigt ihr, dass sie es auf den
Punkt gebracht hat und sich nun sicher weitere Türen für sie öffnen
werden. Weiteres wird
durch ihren Mitarbeiter koordiniert und sie gönnt sich eine Pause in
der im Erdgeschoss liegenden Cafeteria. Nun kann sie ihren Gedanken
freien Lauf lassen. Alfons, er geht
ihr nicht aus den Gedanken. Es war eine Vorfaschingsparty in Duisburg
gewesen als er nur Augen für sie hatte. Seine Stimme, sein Geruch,
seine Art zu tanzen sind ihr nie aus den Sinnen gegangen. Seine
Liebkosungen, zarten Küsse, die sie sich gerne in dieser so
vibrierenden Atmosphäre gefallen ließ. Doch nach der Demaskierung
hatte Alfons sie nur mit riesigen Augen angesehen, hatte sich abgewendet
und war ohne Worte gegangen. Sie hatte keine Ahnung was mit ihm los war,
warum er gegangen war, doch zu ihrer größten Freude fand sie am nächsten
Tag eine langstielige rote
Rose und einen Brief mit den Zeilen: „Wir sehen uns wieder.“ an
ihrer Wohnungstür. Wochen
später erst hatte sie es gewagt mit Dörte, ihrer Freundin, über
diesen Abend zu reden. Diese kannte Alfons und seine gesamte Familie und
erzählte, dass er in die Staaten gegangen sei, um sich dort einem neuen
Firmenprojekt zu widmen. Als sie nach weiteren Monaten nichts von Alfons
gehört hatte, verschloss sie diese Liebe und Erinnerung in ihrem Herzen
und ist wieder zurück in ihre Heimatstadt Hannover zu ihrer Mutter und
dem Kater Mucks gezogen. Gerade der Kater wurde ihr bester Freund. Er
gab ihr Wärme und ihm konnte sie in den einsamen Abend- und
Nachtstunden ihr Herz ausschütten. Am Tage war sie
die hart arbeitende Geschäftsfrau, die Frau mit dem eisernen Herzen,
von Kollegen und der Geschäftsführung geachtet. Nun saß Alfons
oben bei den wichtigen Leuten und sie saß hier, fühlet sich irgendwie
bedroht und wusste nicht genau warum und was nun wird, als sie einen
Hauch und zarte Lippen an ihrem Hals spürte. Wirre Einbildung?
Wunschdenken? Sie hob die Hand und wollte sie
wegwischen als eine feste Hand zugriff und ihre Bewegung
unterbrach. Alfons stand leibhaftig vor ihr und strahlte sie mit seinem
blitzsauberen Zahnpastawerbungslächeln an. Sie erstarrte, fühlte sich
in die Enge getrieben, wie eingemauert und fand keine Worte, konnte nur
noch ihre Arbeitstasche schnappen und verschwinden. Sie hörte noch
einen Moment seine Schritte hinter ihr und sein Rufen. So schnell sie
konnte rannte sie aus der Firma und begab sich ins Einkaufsgetümmel.
Dies war nicht ihr Tag. Nichts lief nach ihren Vorstellungen. Als sie
ganz in Gedanken bei „Burkhart und Körfer“ vorbei schlenderte, sah
sie zu ihrer größten Überraschung das Geschirr ihrer Oma in den
Auslagen. Das Kaffeeservice aus Meißner Porzellan, welches durch das
Design und die Farben hervorsticht. Ob es auch Einzelteile zu kaufen
gibt? Die 3 Teile die sie sehr zum Zorn ihrer Oma aus Unvorsicht
zerbrochen hatte? Claudia betritt den Laden und wird freundlich von
einer Verkäuferin beraten. „Natürlich können sie auch einzelne
Teile bekommen. Was brauchen sie denn?“ „Bitte zwei Tassen und eine
Untertasse.“ waren ihre Worte. Die Verkäuferin holt das Gewünschte
und packt es sorgfältig ein. Etwas beschwingt und die trüben Gedanken
hinter sich lassend verlässt sie den Laden und begibt sich in die Post
um einen kleinen Postkarton und die Briefmarken dazu zu besorgen. Als
sie etwas später zu Hause ankommt ist ihre Mutter sehr entgeistert
Claudia zum einen schon so früh zu sehen und außerdem in so guter
Laune. Doch die Freude ihrer Oma diese Überraschung zu schicken stellt
alles in den Hintergrund. Als Claudia am
nächsten morgen erst zur Post fährt und später zur Arbeit ist sie
doch etwas nervös, weil sie so plötzlich am Vortag das Feld geräumt
hatte. Sie weiß nicht wie man nun darauf reagiert. Ihrem Kater hat sie
in der Nacht von ihren Wünschen und Hoffnungen berichtet, aber im Leben
würde sie wie immer nur arbeiten und schlucken. Auf leisen Sohlen
versucht sie in ihr Büro zu kommen, und ist froh, dass ihr niemand
begegnet ist. Als sie die Tür öffnet stehen sämtliche Kollegen im
Raum und Alfons in der ersten Reihe. Alle rufen: „Herzlichen Glückwunsch!“
Alfons kommt auf sie zu, reicht ihr die Hand mit den Worten: „Auf gute
Zusammenarbeit in der französischen Filiale, ich hoffe wir werden uns
gut verstehen, du als Abteilungsleiterin und ich als Filialleiter.“
Leise flüstert er hinzu: „ Ich habe dir versprochen, dass wir uns
wiedersehen und glaub mir, nun wirst du mich nicht mehr los!“ Verfasser Christine Schelle zur nächsten zurück |