Die letzten Tage zu Hause




Es ist Dienstag, ich habe wieder mal einen Ambulanztermin in meiner CF Klinik vor mir. Wir soll es diesmal wieder gehen? Der Weg in die Klinik, zu den einzelnen Abteilungen? Vor lauter grübeln sitze ich mal wieder hier, und weiß nicht was ich zu Erst und zu Letzt machen soll. Starre vor mir her und um mich herum herrscht das perfekte Chaos. Wäsche müßte gewaschen werden, das Bad braucht dringend mal wieder eine Grundreinigung, die Küche sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen und einkaufen müßte ich auch wieder. Meine Gedanken waren aber in Hannover. Vielleicht sollte ich beim Roten Kreuz anrufen, damit mich wieder ein Zivi begleitet. Er kann die Wege gehen, und mich im Rolli schieben. Ein Klingeln unterbricht meine Gedanken und es ist Ela mit Fenris. Mein Herz rutscht mir fast in die Hose, als sie mich fragt, wann sie mich morgen abholen soll in die Klinik.

Morgens in der Frühe treffen wir dort ein, besorgen uns einen Rolli, aber meine Ärztin ist leider nicht da. Ich werde von ihrer Vertretung behandelt und leider muß sie ausbaden, das ich sehr mißgelaunt bin. Dazu kommt, das es mir sehr schlecht geht und ich inzwischen sehr große Angst habe, die Chirurgen könnten mich vergessen haben. Wir besprechen das nun täglich 3 mal der örtliche Pflegedienst ins Haus kommen muß. Das ich zur Vorsorge ein Nothalsband und einen elektrischen Rolli bekommen soll. Vorher wurden alle üblichen Untersuchungen wie Lungenfunktion, Blutgasanalyse, Röntgen und Blutabnahme gemacht.

Nach diesem Termin reden Ela und ich noch sehr viel und ich bin einigermaßen beruhigt.

Schon am Nachmittag kommt eine Pflegedienstleitung ins Haus und bespricht mit mir was, wann und wie die Pflege bei mir eingeteilt werden muß. Nun läuft alles seine Gang. Am nächsten Tag kommt wie besprochen ein Frau und hilft mir bei allen persönlichen Sachen. Endlich konnte ich mal wieder ohne Angst unter die Dusche. Zähne putzen haben wir aber dann doch im Wohnzimmer auf meinem Bett gemacht. Meine Kräfte waren zu Ende. Für die Zeit wenn niemand hier ist, wurde alles parat gestellt. So verging der Tag und ich hab irgendwann wieder mal versucht ein paar Stunden zu schlafen.

Nachdem am nächsten Morgen der Pflegedienst weg war, bin ich noch einmal ins Bad gehen müssen. Der Weg fiel mir so schwer. Ich hatte Angst. Ich wußte nicht, ob ich mittags noch einmal die Kraft haben werde um dem Mittagsdienst die Tür zu öffnen. Also hab ich vorsorglich meinen Wohnungsschlüssel von außen in die Tür gesteckt. Nachdem ich etwas gedöst hatte, wollte ich etwas trinken. Ich war völlig ausgedörrt. Aber die Flasche war so schwer. Es war mir nicht möglich etwas Wasser in mein Glas ein zu schenken. Aber ich mußte trinken. Mit einem langen Trinkröhrchen könnte ich jetzt aus der Flasche trinken, waren meine Gedanken. Aber außer meinem Sauerstoffschlauch hatte ich nichts brauchbares. So habe ich den Schlauch etwas gekürzt und das abgeschnittene Ende als Trinkrohr verwendet. Ich lag auf meinem Bett und wollte nicht mehr. Ich hatte keine Kraft mehr. Wenn es doch nur irgendwann alles ein Ende hätte. Wie viel und wie lange muß ein Mensch den noch aushalten? Ich lag zusammen gekrümmt auf meinem Bett weinte und wünschte mir nur, das ich meine Ruhe haben könnte, als das Telefon klingelte. Ein sehr lieber sorgender Freund wollte wissen wie die Ergebnisse meines Ambulanztermins waren. Nach dem ich mich etwas ausgeweint hatte, ihm mein endloses Leid geklagt hatte, machte er mich "ordentlich zur Schnecke". Ich hätte doch nun so lange gekämpft, könne jetzt nicht einfach aufgeben, und mich aus dem Staub machen wollen. Er bestand darauf, das ich sofort in der Klinik anrufe, und um die Ergebnisse bitte. Zehn Minuten später wollte er zurück rufen. Mir blieb nichts anderes übrig, als in der MHH an zu rufen. Hier teilte man mir mit, das ich doch in zwei Stunden wieder anrufen solle. Die Ärztin habe gerade keine Zeit, worauf ich nur Antworten konnte, das ich vielleicht in zwei Stunden keine Kraft mehr haben würde. Dem Freund schickte ich eine SMS, das man mich in zwei Stunden zurück rufen wollte. So lag ich wieder hier und bekam schon in Ruhe keine Luft. Ich hatte unendliche Angst.

Etwa 30 Minuten später klingelte wieder das Telefon. Es war die Ärztin der Klinik. Meine Blutergebnisse seien so schlecht, das ich sofort kommen müsse. Sie habe bereits auf der Intensivstation ein Bett für mich bestellt. Ich sollte meinen Hausarzt anrufen, damit er die Fahrt mit dem Krankenwagen organisiert.

Eine Stunde später war ich in der Klinik und wurde dort versorgt. Mein Arzt teilte mir mit, das sie versuchen würden mich auf die HU Liste zu bekommen. Doch er machte mir wenig Hoffnungen. Beim ersten Mal klappe es meist nicht. Das war mir alles egal, Hauptsache ich war nicht mehr allein in meiner Wohnung.

Heute weiß ich, das ich mein Leben dem sorgenden Freund verdanke. Denn allein hätte ich nie in der Klinik angerufen, um die Ergebnisse zu bekommen. Manchmal sehen die Ärzte die Ergebnisse nicht sofort. Durch meinen Anruf hat sich alles zum Guten gewendet.

Wie es weiter gegangen ist, lesen Sie in der Geschichte "Fehl - Probealarm, oder soll es doch losgehen?"

 

 

[Am 19.06.2001 hatte ich den Ambulanztermin und am 21. 06. 2001 bin ich in die Klinik gekommen.]