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Der Internist |
Sie ist mit etwa 20 Jahren von den Kinderärzten weg zu den Internisten gegangen. Das war damals, vor 15 Jahren ein riesiger Schritt. Doch sie wollte zu den Erwachsenen - Ärzten, weil sie sich doch auch so gefühlt hat, so erwachsen.... Da sie aber niemanden kannte, und nicht einfach irgendwo hingehen wollte, ist sie erst mal mit einer Freundin zu ihrem Arzt mitgegangen, um sich diesen anzusehen. Nach dem Motte: habe ich Dich gesehen, weiß ich ob Du mir sympathisch bist oder nicht. Der Eindruck war recht nett, und außerdem brauchte sie dringend Medikamente. Also hat sie sich einen Termin geben lassen, und ist eine Woche später mit den Worten: "Was kann ich für sie tun?" von ihm empfangen worden. "Ich brauche einen guten Hausarzt, und der muß ein Internist sein. Weil ich brauche dringend Medikamente." war ihre Antwort. "So so, Sie brauchen einen Internisten zum Hausarzt, ja das scheint ja wichtig zu sein, dann erzählen sie mal warum." kam es sehr herablassend zurück, als wolle er sagen: "Was will diese Simulantin denn hier." Doch als sie in kurzen, klaren Worten beschrieben hat, was mit ihr los ist, was sie von ihm wollte, war seine Neugier geweckt. Die Fronten geklärt. Und sie haben über Jahre hinweg ein gutes Team zusammen abgegeben. Einiger seiner Worte aus den langen Gesprächen, die sie geführt haben, sind ihr noch heute im Gedächtnis. Denn er konnte es z.B. absolut nicht verstehen, daß sie ihre Medis nicht regelmäßig genommen hat, keine Therapie gemacht hat, nicht inhaliert hat. Was sie dadurch für Probleme hatte, brauche ich hier, glaube ich nicht zu erläutern:-) Er hat ihr folgendes mit auf den Weg gegeben: "So lange Sie sich gegen Ihre Erkankung stellen, werden Sie immer kämpfen müssen, werden Sie immer Probleme haben. Und dazu haben Sie eigentlich keine zusätzlichen Reserven. Fangen Sie an Ihre CF als einen Teil von sich selbst zu betrachten. Fangen Sie an Ihre CF zu mögen, wie Sie sich selbst auch mögen. Behandeln Sie sie genau so gut, wie Sie sich selbst behandelt wissen möchten. Dann wird Ihnen vieles viel leichter fallen. Stellen Sie sich bitte folgendes einmal vor: Es ist jemand da, der 2 linke Füße hat. Solange er sich immer wieder einen rechten und einen linken Schuh anzieht, wird er ewig Blasen an dem einen Fuß haben, und wird immer Schwierigkeiten mit dem gehen haben, wird immer wieder fallen. Wenn er sich nun aber darauf einstelle, und zwei linke Schuhe trägt, kann er sicher wunderbar damit leben." Inzwischen hat sie selbst diese oder ähnliche Worte selbst an jüngere Mitstreiter weitergegeben, denn es ist sicher ein Fünkchen Wahrheit drin, auch wenn es ein Arzt gesagt hat:-) [Sommer 1985] |