Erleichtert: Christine Schelle braucht ihren kiloschweren Rucksack für die Sauerstoffversorgung nicht mehr. Mit der neuen Lunge ist sie frei und kann endlich wieder tief durchatmen. »Ein völlig neues Leben“ sei ihr geschenkt  worden. Ihr Dank gilt allen Menschen auch aus dieser Region, die ihr während des Krankenhausaufenthaltes Mut gemacht haben.                                                                                                                                     Foto: Sürie

„Der liebe Gott muss

mich schon sehr mögen“

Christine Schelle ist nach Lungentransplantation wieder zu Hause

BANTELN (con) Sie ist wieder hier, in ihrem  Revier. Nachmonatelangem Krankenhausaufenthalten ist Christine Schelle zurück in Banteln. Endlich kann sie tief durchatmen und ist frei von kiloschwerer Last im Rucksack, der für sie ständiger Wegbegleiter war, um ihre Sauerstoff- versorgung zu gewährleisten.

Christine Schelle ist jetzt frei von der Angst, die lebensbedrohliche Krankheit Mukoviszidose, unter der sie von Kindheit an litt, könne ihrem jungen Leben ein vorzeitiges Ende setzen. Christine Schelle lebt mit einer neuen Lunge in ihrem Körper. Am 31. Juli wurde ihr in der Medizinischen Hochschule Hannover in einer siebenstündigen Operation das komplette Organ eines anderen Menschen übertragen. „Ich bin in ein neues Leben entlassen worden“, sagt sie.

„Neues Leben"         Schon am 21. August war sie wieder in Banteln. 

Ohne Schläuche in der Nase, nach denen sie manchmal noch  unbewusst tastet und sich denkt, da fehlt doch etwas...  Jetzt hat sie viel Platz für alles Mögliche rund um ihr Bett. In ihrem „früheren Leben“, das bis zum 31. Juli währte, hatte sie, um sich herum Lebensnotwendiges drapiert, das schne1l greifbar sein mußte, wenn es ihr schlecht ging. „Mir geht es gut“, freut sie sich und hat neue Energie, ihr Leben ohne Beeinträchtigung fest in den Griff zu bekommen.

         Ein "Top-Organ"

Die Chirurgen sprechen von einer „Bilderbuch-OP und einem „Top-Organ.“ In der kurzen Zeit ihres neuen Lebens hat sie sich - und niemand, der sie kennt, hätte es anders erwartet - Ziele gesetzt. Sie trainiert ihren Körper, absolviert schon über sechs  Minuten auf dem therapeutischen Fahrrad, beansprucht ihre Muskeln. Schon vor der Operation hatte sie versucht, sich fit zu halten.

 Sie lebte in der Uberzeugung, nur wenn sie aufrecht in den Operationssaal gehe, komme sie auch lebend wieder heraus.  Und sie tut etwas für ihren Kopf, liest englische Romane. Diszipliniert hält sie sich an den von ihr selbst vorgeschriebenen Tagesablauf. 

„Im Krankenhaus war eben doch alles anders.“ Sie strebt das Abitur an und will danach endlich wIeder arbeiten. Natürlich müsse sie sich jetzt für etwa ein halbes Jahr noch zurückhalten und Gefahren aus dem Weg gehen: um ihr Immunsystem nicht zu irritieren. Das bedeutet für sie, engen Kontakt mit Kindergarten- und Schulkindern zu vermeiden, außerdem, in Kaufhäusern, Arztpraxen und überall dort, wo Klimaanlagen laufen, einen Mundschutz zu tragen. Ihre Geschwister und deren Kinder wiederzusehen, das war ihr allerdings doch ein zu großer Wunsch, als dass sie ihn weiter hin auszögern wollte. Noch aus dem Krankenhaus heraus organisierte Christine Schelle das erste Familientreffen in Banteln. „Der liebe Gott muss mich schon sehr mögen, dass er mich hier gelassen hat“, sagt Christine Schelle. 

 Trotz ihres so unerschütterlichen Optimismus‘ und Lebensmutes weiß sie nur zu gut, dass nicht alle, die durch die Transplantation die Chance zum Überleben erhalten auch tatsächlich überleben.  Noch kurz vor ihrer eigenen Transplantation war ein junger Mann gestorben. Nach der Lungenübertragung hatte es Komplikationen gegeben. Christine Schelle ist dankbar für das neue Leben, das ihr durch die Organtransplantation geschenkt wurde.

• Organ spenden?

Sie weiß auch, dass viele Menschen den Gedanken an eine Organspende verdrängen und sich vielleicht erst zu spät damit auseinander setzen.

Es sei wichtig, sich innerhalb der Familie über diese Frage zu unterhalten, um die einzelnen Positionen genau zu kennen: Denn nach dem Transplantationsgesetz reiche die bloße Willenserklärung eines Menschen, für eine Organspende zur Verfügung stehen zu wollen. Auch die 36-jährige Bantelnerin selbst trägt seit 1997 einen Organspendepass bei sich. „Es ist nicht viel, was ich spenden kann - Netzhaut, Bindehaut, Haut und Augen - aber schon das Wenige könnte einem Menschen zu einem besseren Leben verhelfen. "