Nie mutlos: Christine Schelle aus Banteln lässt sich nicht unterkriegen. Der jungen Frau, einer geborenen Puls, sind von Kindesbeinen an kaum lange Überlebenschancen eingeräumt worden. "Doch ich habe mir meinen Glauben zurecht gerückt." Nach monatelangem Aufenthalt Kontakt über das Internet zur Außenwelt: EDV-Spezialist Klaus Graser aus Gronau erläutert Christine Schelle den Umgang mit dem Laptop, den die Leine- Deister-Zeitung aus ihrem Hilfsfonds "Menschen in Not" ermöglichte.

"Ich habe mir meinen Glauben zurecht gerückt"

HANNOVER (con) Wer Christine Schelle kennt, weiß, wie intensiv diese Frau (er)lebt, wie sie es vermag, Menschen mit ihrem zugewandten Wesen, ihrer unerschütterlich positiven Lebenseinstellung für sich einzunehmen. Eine ungewöhnlich starke Frau, der man von Kindesbeinen an nicht viel Hoffnung auf ein langes Leben machte. ,,Doch ich habe mir meinen Glauben zurecht gerückt“, sagt sie. Die LDZ sprach mit ihr in der Medizinischen Hochschule Hannover.

Sie erlebe die eigene Einschulung nicht, hieß es dann, sie überstehe die Pubertät nicht. „Was, du lebst immer noch?“, hörte sie nicht nur einmal in ihrem Leben. Christine Schelle ist heute 36 Jahre alt. Christine Schelle leidet seit ihrer Geburt an Mukoviszidose, einem Funktionsausfall sämtlicher schleimproduzierender Drüsen, der lebensbedrohlich wird, wenn auch die Lunge durch häufige Infekte angegriffen ist. In diesem Jahr hat die junge Frau weit mehr Zeit auf Krankenstationen zugebracht, als in ihrer Wohnung im heimischen Banteln. Der Zustand der seit 1997 erwerbsunfähigen Hotelfachfrau hatte sich in den vergangenen Wochen erheblich verschlechtert. Nach einem Zusammenbruch musste sie sich eingestehen, dass sie allein zu Hause nicht mehr klarkam. Und das ihr, der Powerfrau. Ihr, einer Frau, die von diesem, ihrem Leben mit der Mukoviszidose immer viel haben wollte und eher noch anderen Betroffenen vorlebte, 

dass man mit der Krankheit tatsächlich auch leben kann. Und ihr, die einen Teil der Welt gesehen hatte, sogar verheiratet war und den Rest der Welt auch noch erleben will etwa die Pyramiden sehen und zur Einschulung ihres Neffen dabei sein will.

Ihr Körper ist von ständiger Lungenentzündung geschwächt, wird hochdosiert behandelt. Sie muss fit sein für die Operation: für die neue Lunge, mit der sie überleben soll. Für den Tag X, den. Tag der Transplantation. Aus Eitzum hat ihr Heinrich Klages ein Trimmrad gebracht, damit sie auf der Station trainieren kann. „Ich will aufrecht in den OP-Saal gehen. Nur wer aufrecht ‘rein-geht, der kommt auch wieder aufrecht ‘raus“, motiviert sie sich. Seit 21. Juni steht sie auf der Dringlichkeitsliste. Sie weiß nicht, wann sie „ihr“ Organ erhalten wird. Jeder Hubschrauber, der am Krankenhaus landet, könnte die Lunge bringen.

Sie wird die Umstände nie erfahren, die ihr eine Lunge „schenken“ werden. Aber sie weiß, dass jemand vorher sterben wird. Vielleicht ein ganz junger Mensch. Aber auch ihre Zeit läuft.

Am 23. Juli scheint es soweit zu sein. Eine lange Nacht wartet sie, am Bett die Freundin. Doch es ist nur „Fehlalarm". Eine „wichtige Erfahrung“, wie sie heute weiß. Beim zweiten Alarm wird sie durchschlafen. Um Kraft zu haben. Christine Schelle hofft, dass die Angehörigen des Organspenders es einst annehmen können, wie dankbar sie für ihre Chance mit 

 der fremden Lunge sein wird. Sie hat sich Gedanken gemacht, ob sie ihren Freunden erzählen soll, dass sie es auf Dringlichkeitsliste geschafft hat. „Sie werden sich unendlich große Sorgen machen.“ Wie ihre Freundin wissen sie, dass Transplantationen nicht selten ohne die erhoffte Wirkung verlaufen....

Die Frau hat ihre Gedanken in den vergangenen Wochen verstärkt den Positiv-Beispielen gewidmet. So hat sie es immer gehalten und der Krankheit getrotzt. Sogar eine Ausbildung begann sie - trotz permanenter Sauerstoffversorgung, die sie im Rucksack mit sich führt und aufwendige Langzeittherapien. Und sie wurde neugierig auf die neuen Medien. In der so eigenen Welt der Mukoviszidose-Erkrankten (www.mukoland.de) ist sie inzwischen eine feste Größe.

In ihrem Gästebuch im Internet (www.schelle.de.vu) taucht selbst Reinhold Beckmann auf, der TV-Moderator, den sie „so süß“ findet. Er hatte in einer Sendung mit einer Mukoviszidose-Kranken von ihr erfahren.

Die Frau, die so intensiv lebt, hat ihre Chance erhalten, noch mehr von dieser Welt zu erleben. In dieser Woche erhielt sie ihre neue Lunge. Gestern meldete sie sich telefonisch bei der LDZ: Nach fast 8 stündiger OP geschwächt, aber schon extubiert, so dass sie, wenn auch unter Schmerzen, einige wenige Worte sprechen kann. „Ich lebe jetzt mit einer geschenkten Lunge. Ich bin so glücklich.“ Ihr Puls liegt bei 80 Schlägen. Ein Gefühl, das sie seit mindestens vier Jahren nicht mehr kannte.

Einen Laptop und die besten Wünsche für eine gesunde Zukunft von Verlag und Redaktion der Leine-Deister-Zeitung überbringt LDZ-Redakteurin Cornelia Sürie.

Foto: Graser

"Menschen in Not" finanziert Laptop für Christine Schelle

Kurz vor der Lungentransplantation noch alle Mails beantwortet

GRONAU (con)              Aus dem Fonds „Menschen in Not“, den die Leine-Deister-Zeitung 1998   anlässlich  ihres 125-jährigen Bestehens für Menschen in Not einrichtete hat die Heimatzeitung LDZ der an Mukoviszidose erkrankten Christine Schelle aus Banteln einen gebrauchten, internet- fähigen Laptop finanziert. Mit Hilfe des bei der Samtgemeinde tätigen EDV-Spezialisten Klaus Graser war ein geeignetes Gerät gefunden und

 aufgerüstet worden. Über den Laptop konnte Christine Schelle vor dem Tag X, der Lungentransplantation, den auch für ihr seelisches Gleichgewicht so wichtigen Kontakt zu ihrer Außenwelt aufrecht erhalten. Nur eine kurze Zeit hatte sie allein in diesem Jahr nicht in der Klinik verbracht. Ihr Zustand hatte sich in den vergangenen Wochen dramatisch verschlechtert, so dass

sie seit Juni auf der DringIichkeitsliste für ein neues Organ stand.  Christine Schelle hat über das weltweite Datennetz mit ihren engsten Freunden, mit Leidensgenossen und Weggefährten aus dem so genannten „Mukoland“ Kontakt halten können. Viele Menschen machten ihr Mut für die bevorstehende, schwere Operation. „Ich weiß gar nicht, wie ich dafür danken kann.“ Kurz vor der Operation hat es

Christine Schelle noch von ihrem Krankenbett in der Medizinischen Hochschule geschafft, alle Mails, die in den vergangenen Wochen auf ihrem heimischen Rechner aufgelaufen waren, zu beantworten. 

„Ich war froh, dass ich noch einmal antworten konnte. Sie hatten sich alle solche Sorgen gemacht“, sagte sie der LDZ gestern. Seit Dienstag arbeitet eine neue Lunge in ihrem Körper.